Nicht jeder Mensch berührt dein Herz. Manche berühren zuerst dein Nervensystem.

Sultan

Wir verlieben uns selten zufällig.

Oft ist es unser Nervensystem, das einen Menschen wiedererkennt.

Nicht, weil dieser Mensch der Richtige für uns ist.

Sondern weil er etwas in sich trägt, das uns vertraut vorkommt.

Menschen mit ähnlichen Verletzungen finden sich oft – völlig unbewusst.

Der Mensch mit Verlustangst begegnet häufig einem Menschen mit Bindungsangst.

Der Retter fühlt sich zu jemandem hingezogen, der gerettet werden möchte.

Der emotional unerreichbare Mensch zieht oft jemanden an, der gelernt hat, um Liebe zu kämpfen.

Am Anfang fühlt sich das unglaublich intensiv an.

Als hätte das Schicksal euch zusammengeführt.

Doch häufig ist es nicht die Liebe, die sich so vertraut anfühlt.

Es ist die Vergangenheit.

Unser Nervensystem verwechselt Vertrautheit mit Sicherheit.

Es denkt:

“Das kenne ich. Hier weiß ich, wie ich überlebe.”

Deshalb bleiben wir manchmal in Beziehungen, die uns immer wieder verletzen.

Nicht weil wir schwach sind.

Sondern weil unser Inneres hofft, dass diesmal die Geschichte anders ausgeht.

Doch Heilung beginnt dort, wo wir erkennen, dass wir die Vergangenheit nicht über einen anderen Menschen heilen können.

Je mehr wir unsere eigenen Wunden versorgen, unser Nervensystem beruhigen und uns selbst Sicherheit schenken, desto mehr verändert sich auch das, was sich für uns vertraut anfühlt.

Dann verlieren Menschen ihre Anziehungskraft, die unsere alten Verletzungen berühren.

Und wir fühlen uns immer mehr zu Menschen hingezogen, bei denen wir nicht kämpfen, retten oder warten müssen.

Sondern einfach wir selbst sein dürfen.

Vielleicht ist genau das der Moment, in dem Liebe nicht mehr aus einer Wunde entsteht – sondern aus innerer Freiheit.

Nach oben scrollen