Warum es sich lohnt nicht aufzugeben

Sultan Stier 2026

„Der Moment, in dem viele aufgeben, ist oft der Moment kurz vor der Veränderung.“

Doch meine Erfahrung zeigt etwas anderes.

Bevor sich wirklich etwas wandelt, meldet sich das Alte oft noch einmal mit voller Kraft. Nicht, weil du versagt hast. Nicht, weil die Begleitung nicht wirkt. Sondern weil dein Nervensystem das Vertraute festhalten möchte. Selbst Schmerz kann sich manchmal sicherer anfühlen als etwas Neues.

In dieser Zeit werden Zweifel laut.

„Vielleicht bringt das alles nichts.“

„Warum fühle ich mich plötzlich wieder so?“

„Ich war doch eigentlich schon weiter.“

Doch genau diese Gedanken gehören häufig zum Prozess.

Innere Entwicklung verläuft selten geradlinig. Sie bewegt sich in Wellen. Jede Welle bringt etwas an die Oberfläche – nicht, um dich zurückzuwerfen, sondern damit du ihr heute anders begegnen kannst als früher.

Früher hast du vielleicht funktioniert, dich angepasst oder deine Gefühle unterdrückt.

Heute bleibst du stehen. Du schaust hin. Du fühlst.

Und genau deshalb kann es sich manchmal sogar intensiver anfühlen.

Nicht, weil es schlimmer wird.

Sondern weil du dir selbst nicht mehr ausweichst.

Auch für mich als Mentorin sind diese Phasen jedes Mal etwas Besonderes.

Ich begleite Menschen nicht nur durch ihre Erfolgsmomente. Ich begleite sie auch durch Zweifel, Widerstände, Tränen und die Angst, dass sich vielleicht nie etwas verändern wird.

Und dann kommt dieser eine Moment.

Der Blick wird weicher. Der Körper entspannt sich. Der Atem wird ruhiger.

Plötzlich sagt ein Mensch:

„Ich merke, es wird leichter.“

Das sind die Augenblicke, die mich tief berühren.

Nicht, weil ich jemanden verändert habe.

Sondern weil ein Mensch begonnen hat, sich selbst wieder zu vertrauen.

Für mich ist das der eigentliche Wendepunkt.

Der Moment, in dem der Kampf gegen sich selbst endet.

Und genau dort beginnt innere Freiheit.

Manchmal fühlt sich der Weg schwer an. Nicht, weil du dich von dir entfernst – sondern weil du dir zum ersten Mal wirklich begegnest.

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